In Wiesbaden startet ein gemeinsames Pilotprojekt von Stadtverwaltung und den Helios Dr. Horst Schmidt Kliniken, das die Versorgung von Patienten mit Herz-Kreislauf-Stillstand vor Ort ergänzen soll. Ab dem 1. August wird ein spezialisiertes ECMO-Team parallel zum Rettungsdienst alarmiert und kann in ausgewählten Fällen die extrakorporale Herz-Lungen-Unterstützung bereits während der laufenden Reanimation beginnen.
Aufbau und Einsatzablauf
Das Team besteht aus erfahrenen Intensivmedizinern und rückt mit einem eigens ausgestatteten Einsatzfahrzeug aus. Während der Pilotphase wird es werktags tagsüber über die Zentrale Leitstelle Wiesbaden alarmiert und arbeitet eng mit den Rettungskräften zusammen. Entscheidend ist eine vorherige Prüfung auf medizinische Eignung: Nur in klar definierten Fällen soll die Behandlung eingeleitet werden.
Die eingesetzte Methode heißt ECMO, das heißt Extrakorporale Membranoxygenierung. Dabei wird Blut außerhalb des Körpers mit Sauerstoff angereichert und anschließend wieder in den Kreislauf zurückgeführt. Wenn die ECMO während einer laufenden Wiederbelebung angeschlossen wird, wird dies als extrakorporale kardiopulmonale Reanimation, kurz eCPR, bezeichnet.
Medizinische Kriterien und Begrenzungen
Nicht jede Reanimation kommt für die präklinische ECMO in Frage. Das ECMO-Team trifft die Entscheidung auf Grundlage festgelegter Kriterien. Dazu gehören die vermutete Ursache des Herz-Kreislauf-Stillstands, das Alter der Patienten, die Zeitspanne bis zum Beginn der Reanimation und die Erfolgsaussichten der Behandlung. Ziel ist es, die Zeit bis zum Therapiebeginn zu verkürzen und damit die Überlebenschancen sowie die neurologische Erholung zu verbessern.
Studien deuten darauf hin, dass der Zeitpunkt des Therapiebeginns für das Ergebnis entscheidend ist. Zugleich bleibt die ECMO ein komplexes Verfahren der Intensivmedizin, das hohe Anforderungen an Personal und Technik stellt und deshalb nur in ausgewählten Fällen vor Ort angewendet werden soll.
Evaluation und mögliche Ausweitung
Die Pilotphase wird wissenschaftlich begleitet und fortlaufend ausgewertet. Die Verantwortlichen wollen belastbare Erkenntnisse darüber gewinnen, wie sich dieses Versorgungskonzept in der Praxis bewährt und wie es sich sicher in den öffentlichen Rettungsdienst integrieren lässt. Die gewonnenen Erfahrungen sollen nicht nur die Versorgung in Wiesbaden informieren, sondern können nach Aussage der Kliniker auch Impulse für eine Weiterentwicklung der Notfallversorgung in anderen Regionen geben.
Städtische und klinische Vertreter betonen, dass es vor allem um einen Zeitgewinn für die Patienten geht. Durch die präklinische eCPR sollen ausgewählte Patientinnen und Patienten eine zusätzliche Chance auf Überleben mit guter neurologischer Erholung erhalten, while gleichzeitig geprüft wird, ob und wie dieses Konzept langfristig in den Rettungsdienst eingebunden werden kann.
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