Freitag, 23.01.2026

Mehr als dreißig Kisten: Beilharz übergibt seinen Theatervorlass an das Stadtarchiv Wiesbaden

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Der frühere Intendant Manfred Beilharz hat seinen künstlerischen Nachlass der Landeshauptstadt Wiesbaden übergeben. Der Vertrag wurde am Donnerstag, 22. Januar, im Kulturdezernat am Schillerplatz unterzeichnet. Kulturdezernent Dr. Hendrik Schmehl nahm die Schenkung für das Stadtarchiv entgegen. Nach Angaben der Beteiligten stehen mehr als dreißig Kisten mit Material zur Abholung bereit.

Vertragsunterzeichnung und Reaktionen

Bei der Unterzeichnung waren neben Dr. Beilharz auch Dr. Hendrik Schmehl und Stadtarchivleiter Dr. Peter Quadflieg anwesend. Schmehl erklärte, die Stadt sei sehr dankbar für die Entscheidung Beilharzens, das Stadtarchiv Wiesbaden für die Aufbewahrung seines Vorlasses auszuwählen. Quadflieg betonte den Wert des Bestands für die dokumentarische Überlieferung des regionalen und internationalen Theaterschaffens.

Dr. Beilharz, der vor der Vertragsunterzeichnung kurz auf seine lange Laufbahn zurückblickte, brachte ein persönliches Objekt zur Zeremonie mit. Bei heiteren Momenten zeigte er das Geschenk einer früheren Kollegin, ein altes israelisches Blasinstrument, und spielte darauf einen Ton. Der 87-jährige Theatermacher äußerte zugleich nachdenkliche Worte zur aktuellen politischen Lage in Teilen Europas und dem Nahen Osten und sprach sich für einen Neuanfang im kulturellen Austausch aus.

Neun Umzüge und Stationen einer Theaterkarriere

Beilharz begann seine Laufbahn nach dem Studium der Germanistik, Rechtswissenschaft und Theaterwissenschaft sowie der Promotion in Theater- und Urheberrecht als Regieassistent an den Kammerspielen in München. Es folgten berufliche Stationen im Ruhrgebiet und erste Leitungsfunktionen am Westfälischen Landestheater in Castrop-Rauxel. Im Alter von 30 Jahren übernahm er die Intendanz am Landestheater Tübingen. Weitere Stationen waren die Städtischen Bühnen Freiburg von 1976 bis 1983, das Staatstheater Kassel von 1983 bis 1991 und das Theater in Bonn von 1991 bis 2002. In Bonn war er zunächst Intendant des Schauspiels und ab 1997 Generalintendant des zum Theater der Bundesstadt vereinigten Hauses.

2002 wechselte Beilharz nach Wiesbaden, wo er mehr als ein Jahrzehnt das Staatstheater prägte und die Maifestspiele mitgestaltete. International war er unter anderem Präsident des Internationalen Theaterinstituts der Unesco von 2002 bis 2008 und ist heute dessen Ehrenpräsident. Daneben wirkte er als Festivalmacher und Lehrbeauftragter an Hochschulen in Frankfurt am Main und Mainz. Für sein Wirken erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, darunter das Bundesverdienstkreuz am Bande, die Goethe Plakette und den Hessischen Verdienstorden.

Bestand des Vorlasses und Forschungsperspektiven

Erste Kontakte zwischen Beilharz und dem Stadtarchiv fanden 2019 statt. Zum übergebenen Vorlass gehören nach Angaben der Beteiligten Programmhefte, Fotos, Spielzeitprogramme, Inszenierungs skizzen, Briefe und sonstige Korrespondenzen sowie Presseausschnitte. Stadtarchivleiter Quadflieg hob hervor, dass der Bestand nicht nur die Intendanz in Wiesbaden dokumentiere, sondern auch die internationalen Bezüge einer langen Theaterkarriere abbildet.

Beilharz selbst erklärte, er habe Material aus allen Stationen seines Schaffens zur Verfügung gestellt, um eine möglichst geschlossene Künstlerbiografie herzustellen. Dazu zählen Dokumente zu Gastspielen und Festivals, die ihn weltweit führten. Das Archiv will die Unterlagen sichern und der Forschung zugänglich machen, um etwa die Entwicklung internationaler Theaterbeziehungen nachzuzeichnen.

Ein Objekt mit Geschichte und Blick nach vorn

Als besonderes Stück brachte Beilharz ein Schofar mit. Das Anitlopenhorn war ein Geschenk der damaligen Intendantin der New Israeli Opera in Tel Aviv, Hanna Munitz. Anlass war die Zusammenarbeit bei einer Wiesbadener Produktion von Alban Bergs Wozzeck, die 2005 an der Oper in Tel Aviv erfolgreich gezeigt wurde. Beilharz erinnerte an die Aufführung vor prominenten Gästen und an die anschließende Gastspielserie.

Nach Abschluss der Unterzeichnung betonte Kulturdezernent Schmehl noch einmal die Bedeutung der Schenkung für die Stadt. Die nun übergebenen Materialien sollen künftig Einblicke in die Verknüpfung von regionalem Theaterbetrieb und internationaler Zusammenarbeit ermöglichen.

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